Österreich vereinfacht Fachkräftezuzug aus Indonesien

Österreich vereinfacht Fachkräftezuzug aus Indonesien

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Indonesien hat mit rund 275 Millionen Einwohnern die viertgrösste Bevölkerung weltweit – darunter viele junge Leute. / © Nick Agus Arya, Unsplash

In Österreich sinkt die Anzahl der Personen im Haupterwerbsalter. Die Suche nach Fachkräften wird immer mehr zur Herkulesaufgabe. Nun wird die Partnerschaft mit Indonesien verstärkt, um Schwung in die Sache bringen. Denn dort gestaltet sich der demografische Wandel deutlich günstiger. 

Tourismus-Staatssekretärin Susanne Kraus-Winkler wird ein Memorandum of Understanding (MoU) mit Indonesien unterzeichnen, um eine noch tiefergreifende Zusammenarbeit bei der Fachkräfte-Zuwanderung nach Österreich zu gewährleisten. Zudem zählt Indonesien zu einem wichtigen Partnerland in der Lehrausbildung und beim Pre-Check-Register, das es qualifizierten Fachkräften von dort künftig erlauben soll, noch rascher eine Rot-Weiss-Rot-Karte zu erhalten.


Solche Massnahmen sind kein Luxus, denn einer der drängendsten Herausforderungen für den österreichischen Arbeits- und Wirtschaftsstandort ist der Fachkräftemangel. Laut Prognosen der Statistik Austria sinkt die Anzahl von Personen im Haupterwerbsalter bis 2050 um rund 270.000 Personen. Gleichzeitig soll die Gruppe der über 65-Jährigen um rund 940.000 Personen ansteigen. Im Jahr 2023 kam auf eine über 65 Jahre alte Person ungefähr eine unter 20 Jahren, bis zum Jahr 2050 wird sich dieses Verhältnis stark verändern und laut Prognosen um 50 Prozent auf 1,5 ansteigen. Somit kommt es aufgrund des demografischen Wandels und der gestiegenen Lebenserwartung zu einem starken Überhang älterer Personen. Österreich verfügt mit einem Medianalter von 44 Jahren über eine überdurchschnittlich alte Bevölkerung.


Junge Bevölkerung mit gutem Bildungsniveau

Indonesien ist für Österreich ein wichtiges Fokusland für die Anwerbung von qualifizierten Arbeits- und Fachkräften. Ende März 2024 waren 500 Personen aus dem Land in Österreich unselbstständig beschäftigt. Insgesamt sind mehr als 1.200 Indonesier in der Alpenrepublik gemeldet. Seit Einführung der Rot-Weiss-Rot-Karte konnten die Anstellungen für Personen aus dem Land kontinuierlich gesteigert werden. Indonesien verfügt über ein sehr gutes Bildungsniveau, zudem wurde bereits 2022 eine Zusammenarbeit bei der dualen Lehrausbildung etabliert.


"Die heimischen Betriebe leiden stark unter dem Fachkräftemangel. Daher haben wir die internationale Fachkräfteoffensive ins Leben gerufen, um gezielt qualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten nach Österreich zu bringen. Die Unterzeichnung des Abkommens mit der indonesischen Regierung ist ein wichtiger nächster Schritt für dieses Vorhaben", erklärt Karlheinz Kopf, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich. 


Indonesien zählt zu den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt und hat mit rund 275 Millionen Einwohnern die viertgrösste Bevölkerung weltweit. Zudem hat es eine sehr junge Bevölkerung mit einem Medianalter von rund 29 Jahren. Ein weiterer positiver Aspekt an der indonesischen Demografie ist der Anteil der unter 15-Jährigen, die mehr als ein Viertel an der Gesamtbevölkerung ausmachen. In Österreich sind es nur rund 14 Prozent.


Durch ihre junge Bevölkerung und dem sehr guten Ausbildungsniveau, ergänzt durch die Bestrebungen, die duale Ausbildung noch stärker zu verankern, stellt Indonesien ein wichtiges Fokusland bei der Anwerbung von internationalen Fachkräften dar – wie auch die Philippinen, der Kosovo, Brasilien und Albanien.


Philippinen-Memorandum als Vorbild

Susanne Kraus-Winkler: "Es freut mich, mit Indonesien einen weiteren Partner in der Fachkräfterekrutierung gewinnen zu können. Der Fach- und Arbeitskräftemangel wird sich nicht nur im Tourismus, sondern auch in vielen weiteren Branchen in den nächsten Jahren fortsetzen. Qualifizierte und gut ausgebildete Schlüsselkräfte sind unabdingbar, um den Wohlstand im Land erhalten zu können."


Zuvor wurde mit den Philippinen ein Memorandum of Understanding zur Fachkräftemobilität abgeschlossen. Die Vereinbarung mit Indonesien, die jetzt abgeschlossen wird, soll ähnlich rasche Wirkung wie die Philippinen-Vereinbarung entfalten. 


Zentrale Punkte des MoU:

  • Durch die Unterzeichnung des MoUs werden die bereits sehr guten Beziehungen mit Indonesien nochmals vertieft.
  • Es wurde zudem auch der Ausbau von Deutschkursen in Indonesien als weiteres Ziel festgehalten, die für die spätere Integration in den österreichischen Arbeitsmarkt wichtig sind.
  • Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Austausch über die jeweiligen nationalen Qualifikationsrahmen.
  • Durch die bessere Vergleichbarkeit von Qualifikationen und Bildungsabschlüssen können im Rahmen des Pre-Check-Registers die Rot-Weiss-Rot-Kartenverfahren von indonesischen Fachkräften zukünftig beschleunigt werden.
  • Zudem haben sowohl heimische Unternehmen als auch indonesische Fachkräfte früh Planungssicherheit, ob die Qualifikation für die Ausstellung einer RWR-Karte ausreichend ist.


Österreichweit konnten im vergangenen Jahr 3.816 RWR-Karten für Fachkräfte in Mangelberufen ausgestellt werden, dies entspricht fast der Hälfte aller RWR-Karten und Blue-Card-Ausstellungen (8.079). Durch die im MoU festgehaltene engere Zusammenarbeit beim Austausch von Wissen und Erfahrungen können die Verfahren für Indonesien künftig nochmals beschleunigt werden. Darüber wird frühzeitig Planungssicherheit bei der Anerkennung von in Drittstaaten erworbenen Ausbildungsabschlüssen (Pre-Check-Register) geschaffen. / red

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