Städte im Wandel: Lust und Frust auf Shopping

Städte im Wandel: Lust und Frust auf Shopping

Shopping
Vor allem deutsche Frauen haben offenbar die Lust an der Schnäppchenjagd verloren. / © Andreas Lischka, Pixabay

Den Deutschen ist die Lust am Shopping vergangen. Einkaufen gehört mittlerweile zu den unbeliebtesten Freizeitaktivitäten. In Bukarest geschieht das Gegenteil: Dort plant man eine Luxus-Shopping-Mall und noch mehr Luxushotels. 

In der Stadt von Schaufenster zu Schaufenster ziehen, Preise vergleichen, Schnäppchen jagen – das steht bei den Deutschen in puncto Spassfaktor auf einer Stufe mit Tätigkeiten wie Hausarbeit. Der Zeitstress, dem die Menschen immer stärker ausgesetzt sind, drohen den Handel in eine fundamentale Krise zu stürzen. Das ist das Ergebnis der neuen, repräsentativen Befragung "Ausgebummelt: Wege des Handels aus der Spass- und Sinnkrise – Deutschland-Edition" des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI). 


Der Zeitfaktor wird bei Konsum-Entscheidungen kritisch: 34% aller Deutschen im erwerbsfähigen Alter stehen häufig oder fast immer unter Terminstress, obwohl sie im historischen Vergleich mehr freie Zeit zur Verfügung haben. Das wertvolle Gut wollen sie immer weniger mit Shoppen verbringen. 


Die Ergebnisse der Studie deuten auch darauf hin, dass sich die Einstellung zum Einkaufen gewandelt hat. Es wird nicht mehr als angenehme Freizeit-Beschäftigung, sondern als "mühsame Tätigkeit" wahrgenommen und als wenig sinnstiftend, so die GDI. 59% der deutschen Bevölkerung nutzen ihre Zeit lieber anders als für den Einkauf. 38% der Deutschen empfinden Einkaufen eher als Arbeit denn als Spass. Und jeder Dritte (34%) würde am liebsten gar keine Zeit mit Einkaufen verbringen. 


Freunde und Familie gehen vor

Ein Grund für die schwindende Kauflust ist u.a. der Bedeutungsverlust des Konsums. Für 74% sind andere Dinge wie Familie, Freunde und Zeit in der Natur wichtiger als Shoppen. Viele versuchen ausserdem aus Nachhaltigkeitsgründen weniger zu konsumieren. Beispielsweise gehen 83% der Befragten weniger shoppen, weil sie ihre Produkte möglichst lange nutzen wollen. 


Dass Zeitstress das Einkaufsverhalten beeinflusst, sieht man deutlich an der Zeit, die für das Einkaufen eingesetzt wird. Die durchschnittliche Einkaufszeit (in Minuten pro Woche) hat in den USA und in der Schweiz in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen: in den USA von 166 Minuten im Jahr 2003 auf 138 Minuten in 2018, in der Schweiz von 139 Minuten im Jahr 1997 auf 115 Minuten in 2023. Die Deutschen gehen heute pro Woche etwa 117 Minuten einkaufen.

Die wöchentliche Einkaufszeit wird in Zukunft vermutlich weiter sinken. Fast ein Viertel aller Befragten (25%) will in den kommenden zwölf Monaten seine Einkaufszeit weiter reduzieren. Der Anteil der Deutschen, die zum Zeitvertreib gerne bummeln und shoppen, liegt lediglich bei 16%.


Vier Konsum-Typen

Nicht jede und jeder Befragte empfindet den Lebensmittel-Einkauf als mühselig oder geht ungern shoppen. Es gibt teilweise grosse Unterschiede zwischen Geschlechtern oder Altersgruppen. Die Studie stellt vier Typen vor: ziellose Bummler, strikte Bedarfskäufer, aufgeschlossene Optimierer und effiziente Identitätskäufer. Immerhin haben die letzten drei eines gemeinsam: das Bedürfnis, schnell und effizient einzukaufen.


Die GDI-Umfrage zeigt auch: Frauen verbringen in Deutschland etwas mehr Zeit mit Einkaufen und ältere Menschen mehr als Jüngere. Beiden Geschlechtern macht Einkaufen heute deutlich weniger Spass, vor allem den Frauen. 19% der Männer und 14% der Frauen sagen, die Freude hat in den letzten fünf Jahren eher oder stark zugenommen. 41% der Frauen haben heute weniger Freude am Einkaufen, bei den Männern sind es nur 28%.


Mit vier P's aus der Krise

Damit Einkaufen wieder attraktiver wird, muss der Handel sich gemäss den GDI-Forschern an vier P's halten: Er muss schneller (Promptness), näher (Proximity), schöner (Pleasure) und sinnvoller (Purpose) werden. Der Handel muss den Menschen Zeit zurückgeben, schnelles und effizientes Einkaufen ermöglichen und dafür sorgen, dass die investierte Zeit als angenehm und sinnvoll empfunden wird. 


Die repräsentative Konsumenten-Befragung wurde im Januar 2024 unter 1.030 Personen im Alter zwischen 16 und 85 Jahren in Deutschland durchgeführt. Die Ergebnisse sind bevölkerungsrepräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bundesland. Die Studie steht zum Download bereit. 


Ganz anders: Shopping-Paradies Bukarest

Während in Deutschland der Handel lahmt, mausern sich Rumänien und speziell Bukarest offenbar zum Shopping-Paradies. Der Immobilien-Investor und -Entwickler HAGAG Development Europe und CBRE Romania haben vor Kurzem eine exklusive Vereinbarung unterzeichnet, die Rumänien auf die Landkarte der Luxus-Shopping-Destinationen setzen soll. Im Fokus steht das Einzelhandelsprojekt H Știrbei Palace im Zentrum der rumänischen Hauptstadt. Das geschichtsträchtige Gebäude soll Mitte 2025 wieder zugänglich gemacht werden und nach seiner Fertigstellung zu einem Vorzeige-Einkaufszentrum für Luxusmarken in der südosteuropäischen Region werden. 


Der Luxus-Einzelhandelsmarkt in Rumänien befindet sich in einem kontinuierlichen Aufwärtstrend, wobei Bukarest ein zunehmend attraktives Ziel für Premium-Marken wird. Dieser Trend wird durch die Entwicklung prestigeträchtiger Immobilienprojekte angeheizt, darunter 13 neue Fünf-Sterne-Hotels, die bis 2028 geplant sind und Marken wie Corinthia, Mondrian, Hyatt und Kempinski einschliessen. / ots, red 

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