Welche Behauptungen über Vegetarier stimmen?

Welche Behauptungen über Vegetarier stimmen?

Harvest of vegetables
Fleisch ist mein Gemüse? Nein, sagen immer mehr Vegetarier. Viele verzichten auch des Klimas zuliebe auf Fleisch. Ist das sinnvoll? / © Tisha Adobe Stock

Menschen, die sich fleischlos ernähren, helfen dem Klima, den Tieren und leben gesünder – sagen die einen. Andere behaupten, die Ersatzprodukte schadeten dem Klima mehr als Fleisch. Was stimmt?

Seit Jahren ist Vegetarismus ein Aufreger-Thema, vermutlich nicht nur in Deutschland. Dem Verbraucherzentrale Bundesverband zufolge ernähren sich in Deutschland aktuell rund acht Millionen Menschen fleischlos, also etwa 10% der Bevölkerung – Tendenz steigend. Viele sehen darin einen Beitrag zum Schutz des Klimas, der Tiere oder ihrer eigenen Gesundheit. Andere glauben nicht an solche Effekte. Im Hinblick auf den Weltvegetariertag am Sonntag, 1. Oktober, hier ein paar Thesen im Faktencheck:

 

Behauptung:
Vegetarische Ernährung ist besser für Klima und Tiere.


Bewertung: Richtig.


Fakten: "Es ist tatsächlich so, dass vegetarische Ernährung besser ist für das Klima und auch für viele andere Umweltkategorien, wie z.B. die Nitrat-Belastung in Gewässern", erklärt Hyewon Seo vom Umweltbundesamt (UBA). Der Referentin für Nachhaltige Ernährung beim World Wildlife Fund (WWF), Elisa Kollenda, zufolge könnte man in Deutschland "den Klima-Fussabdruck unserer Ernährung durch rein vegetarischen Lebensmittel-Konsum um 47% reduzieren".


Nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) werden derzeit weltweit mehr als 33 Milliarden Hühner, 1,6 Milliarden Rinder und jeweils knapp eine Milliarde Schweine und Schafe gehalten. Die Tiere benötigen riesige Flächen und Futtermengen, wodurch Klima und Umwelt nachhaltig geschädigt werden. Wiederkäuer erzeugen der FAO zufolge Methan, das die Erderwärmung beschleunigt. Zudem leiden die Ökosysteme, da der Flächenverbrauch zum Artensterben beiträgt und gerodete Waldflächen als natürliche Klimaschützer ausfallen.



Behauptung:
Durch Fleischersatz-Produkte wie Soja schaden Vegetarier dem Planeten genauso.


Bewertung: Irreführend.


Fakten: Eine Studie der Universität Bonn kam 2022 zu dem Schluss, dass die Industrie-Nationen weltweit ihren Fleischkonsum im Idealfall um 75% reduzieren müssten, um die globalen Klimaziele einhalten und die Menschheit auch künftig ernähren zu können.


Millionen Hektar einmaliger Lebensräume sind durch den Soja-Anbau in den letzten Jahren vernichtet worden, wie der WWF angibt. Das habe zu einem drastischen Rückgang der Artenvielfalt in den entsprechenden Regionen geführt. Doch das liegt nicht nur an Vegetariern: 70% des weltweit angebauten Sojas gehen demnach auf den Fleischverzehr zurück, weil das Soja anstatt für den direkten menschlichen Verzehr für Tierfutter eingesetzt wird.



Behauptung:
Vegetarische Ernährung schützt Tiere.


Bewertung:
Stimmt zum Teil.


Fakten: Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden 2022 in Deutschland mehr als 750 Millionen Nutztiere für die Lebensmittel-Produktion geschlachtet – darunter Schweine, Rinder, Schafe, Hühner und Puten. Das sind mehr als zwei Millionen pro Tag. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Fleischproduktion um 8,1% zurück.


Der Deutsche Bauernverband betont auf seiner Website: "Die Haltungsbedingungen in Deutschland werden immer stärker auf die Bedürfnisse der Nutztiere ausgerichtet, z.B. durch besseres Stall-Klima, höhere Futterqualität, Hygiene, Tiergesundheits-Management sowie durch gezieltere Zuchtmethoden." Lea Schmitz vom Tierschutzbund argumentiert, dass die meisten Tiere auch heute noch in tierschutzwidrigen Haltungssystemen und einer Hochleistungszucht leben, die sie auf reine Produktionseinheiten reduziere.



Behauptung:
Vegetarische Ernährung ist gesünder und hilft beim Abnehmen.


Bewertung: Grundsätzlich richtig.


Fakten: Den Verbraucherzentralen zufolge hat eine vegetarische Ernährung "nachweislich gesundheitliche Vorteile". Es heisst: "Wer auf Fleisch verzichtet und sich vielfältig und abwechslungsreich ernährt, ist gut versorgt mit allen wichtigen Nährstoffen."


Deutsche verzehren wöchentlich rund ein Kilo Fleisch, wie das UBA schreibt. Empfohlen wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung mit Blick auf die Gesundheit aber deutlich weniger: 300 bis 600 Gramm. Die Weltgesundheits-Organisation WHO stuft verarbeitetes Fleisch als "krebserregend" und unverarbeitetes rotes Fleisch als "wahrscheinlich krebserregend" ein.


Für die Verbraucherzentralen ist vegetarische Ernährung gesund, solange auch Milch und deren Produkte verzehrt werden. Durch Ergänzungsmittel können mögliche Mängel an Vitamin B12 kompensiert werden, das hauptsächlich durch tierische Erzeugnisse (zu denen auch Milchprodukte gehören) aufgenommen wird. Die Leipziger Neurologin Veronica Witte, die eine Studie zu vegetarischer Ernährung leitete, weist etwa auf bestimmte Zahnpasten oder Aufbauspritzen hin. 


Ausserdem: Einer Studie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften aus dem Jahr 2020 zufolge haben Menschen durchschnittlich einen geringeren Body-Mass-Index, wenn sie weniger tierische Produkte zu sich nehmen. Fleischlastige Ernährung kann zur Gewichtszunahme führen. / dpa

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