
Liebe Insider,
seit den jüngsten Revo-Schlagzeilen über die Zerschlagung des Unternehmens diese Woche haben sich bei uns Eigentümer gemeldet, die dem Insolvenz-Verfahren nicht vertrauen. Wenn weitere Eigentümer oder auch (potenzielle) Betreiber dazu etwas zu berichten haben, natürlich vertraulich, dann wissen Sie, wo Sie mich finden. Jetzt warten alle auf die Namen der fünf Gruppen, die die 120 Hotels künftig betreiben möchten. Wir recherchieren derweil weiter.
Als Abwechslung bieten wir Ihnen heute Entertainment aus dem Querdenker-Haus Mews. Bei ihrem jährlichen "Unfold"-Event in Amsterdam liess die Software Company erst einen verrückten Solo-Gitarristen auf die Bühne, und dann einen Cartoonisten, der aus den 700 Zuschauern "das Kind" herauskitzelte und dessen Emotionen und Träume zeichnete. Das ebnete den Weg zur grossen "Magie" der Hotellerie, die selbst das Unkonventionelle in sich trägt, aber nicht mehr lebt. Der Rezeptionist ist der Regisseur des ersten Eindrucks, man hat ihm nur Kreativität abtrainiert. Einfach toll anzuschauen, wie hier Man & Machine zusammenfinden. Mews definiert "AI" (Artifical Intelligence) neu – als "Authentic Interaction" (AI). Sarah Douag war begeistert.
Ich habe die Gelegenheit genutzt, neben diesen Artikel mein Gespräch mit Mews-Gründer Richard Valtr zu stellen. Es fand schon an der ITB statt, ergänzt aber jetzt den Entertainment Part perfekt, ohne es vorauszuahnen. Richard gibt seit 15 Jahren nicht auf, die Hoteliers zu motivieren, der Technologie zu vertrauen. Die Teams sind nur am Testen, Testen, Testen… Ein Experiment hat es geschafft, operative und kommerzielle Hoteldaten in Echtzeit zu bündeln – die Basis für den Rezeptions-Regisseur! Da schliesst sich der Kreis von AI zu AI. "Uns erwartet eine unglaubliche Explosion an Innovation," prophezeit Richard und verschwindet in seine Cloud.
Unsere Meldungen, von denen die VIP News und der News Mix immer wieder Neues bieten, spiegeln das Auf-und-Ab des Alltags. Positiv die Power der beiden Geschäftsführerinnen von der kleineren Kooperation CPH Hotels (14 Betriebe) und den grösseren Ringhotels (65): Sabine Möller und Petra Weindl bringen die Privathotels zunächst unter einen Vertrag und bald vielleicht auch unter ein Dach. Ein Deal ohne Ego, Gier und teure Anwälte, einfach getrieben aus der Praxis zum Wohl der Familienhotels. Kompliment, meine Damen!
Die spanische Fergus Group ist auch dabei, neu zu denken. "Die Zukunft der Hotellerie … liegt nicht darin, immer mehr Gebäude zu bauen, sondern bestehende Hotels besser nutzbar und leistungsfähiger zu machen," ist das Credo von CEO Bernat Vicens. Aktuell stehen mehr Revitalisierungen an, aber er vergisst auch nicht, seine junge Marke tent Hotels mit Millionen zu pushen.
In Deutschland ist letzte Woche bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken eine neue "Bad Bank" an den Start gegangen. Noch ist diese kein Thema für die Hotellerie. Aber die Branche sollte deren Risiko-Einschätzungen beobachten.
Dauer-Beobachter sind die Österreicher per se: Im Winter 25/26 hat sich einmal mehr gezeigt, dass sich die Wintersport-Monate verkürzen. Handeln ist also angesagt.
Das gilt auch für Hoteliers, die sich noch nie mit Greenwashing befasst haben. Am 27. September greift ein EU-Gesetz durch: Gegenüber dem Verbraucher (Gast) dürfen keine "grünen" Versprechungen mehr gemacht werden. Auch "Green Hotel"-Labels werden als unzulässig eingestuft. Die Beratungsgesellschaft F&P Executive Solutions aus dem Kreis unserer Content Partner erläutert heute die Grundlage und bietet zwei kostenlose Webinare an (Details auf unserem "Marketplace").
Die Deutschen legen häufiger das Handy zur Seite, kaum zu glauben. Die unter-40-Jährigen wollen sogar wieder mehr Analoges, sagt eine Studie. Ein positiver Trend. Nützlich: Es gibt eine neue Webseite für Nachtzüge in Europa. Erstaunlich: Den Hund ins Büro mitnehmen zu dürfen, wäre vielen Mitarbeitern sehr recht. Es wäre ihnen sogar noch wichtiger als ihre Elternzeit.
Und last but noch least: Kneipensterben schadet der Demokratie. Braucht man dazu das Statement eines Politologen?
Eine bunte und motivierende Woche wünsche ich Ihnen.
Ihre Maria Pütz-Willems
Chefredakteurin
Mews-CEO Matt Welle und Duncan Wardle, ehemaliger Innovation Chief von Disney, brachten ein und dasselbe Argument aus zwei verschiedenen Richtungen. Das drängendste Problem der Branche ist nicht ihre Technologie, sondern der Mangel an Mut, ihr Personal anders einzusetzen. Ein Weckruf für viele Hoteliers, die noch immer in Silos denken und handeln – etwas, das in Zeiten von AI kaum noch Sinn ergibt.
"Die Technologie ist kein Feind der Hospitality-Branche. Der Sinn der Technologie besteht nicht darin, einfach blindlings Arbeitsplätze zu verdrängen oder anderes zu zerstören, was Hospitality ausmacht." Richard Valtr, der Gründer von Mews, schaut immer noch in die ängstlichen Augen seiner Gegenüber: Diese Branche hat den Konservatismus offenbar in ihren tiefsten Wurzeln konserviert. Ändert es!
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