Die Zulieferer und das Material, einfach unterschätzt

Die Zulieferer und das Material, einfach unterschätzt

HITT Amsterdam: Madaster und MindClick über Daten, Zirkularität & Supply

Accor Greet Vienna North Recycle
Greet, eine Marke von Accor, die Nachhaltigkeit systematisch umsetzen wird. Sichtbares Beispiel für den Gast: Aus einer Schubkarre wird ein bequemer Sessel in der Bar. / © Accor

Ohne Zulieferer kann kein Hotelier seinen Betrieb aufrechthalten. Beide können nur gemeinsam nachhaltig werden. Die Supply Chain – vom Bäcker bis zum Möbelhersteller – ist für Betreiber wie Investoren eine der grössten Herausforderungen in der Reduzierung des CO2-Fussabdrucks. Wie man Lösungen und Daten findet, zeigen beim HITT Amsterdam (17./18. Juni) die Gründer der niederländischen Materialbank Madaster, der Produkt-Datenbank MindClick sowie der deutsche Projektsteuerer Drees & Sommer. 

JoAnna Abrams

JoAnna Abrams.MindClick

JoAnna Abrams

JoAnna Abrams, Gründerin und CEO von MindClick, startete mit dem visionären, inzwischen leider verstorbenen Marriott-CEO Arne Sorenson um das Jahr 2015 einen gemeinsamen Inkubator, um herauszufinden, wie eine Brand Company, aber auch Eigentümer/Investoren zusammen mit Zulieferern Emissionen abladen können. 


"Nach Covid hat das Thema ESG in den USA richtig Fahrt aufgenommen", berichtet sie. Ihr Unternehmen war vorbereitet, sammelte es doch schon viele Jahre früher Daten über den Lebenszyklus von einzelnen Produkten – vom zerschlissenen Teppich bis zum recycelten Sessel im Hotelzimmer. MindClick gibt heute jeder Faser einen CO2-Wert. Ausserdem nimmt das Unternehmen den Einkauf, die Verpackungen und Vertriebswege unter die Lupe. 

Pablo van den Bosch

Pablo van den Bosch. Madaster

Pablo van den Bosch

Den Mehrwert verstehen lernen 

Madaster, erst sieben Jahre jung, baut von Amsterdam aus ebenfalls eine globale und branchenübergreifende Datenbank für alle Produkte, Materialien und die Logistik rund um das Gebäude auf. Materialausweise für Gebäude (Circularity Passport Buildings") gibt es bereits, die Datenbank greift tiefer, sagt Co-Gründer und Direktor Pablo van den Bosch. Auch Madaster kann Building Passports für Asset-Portfolios erstellen und so Entscheidungshilfe bei Investment-Entscheidungen geben. Umso enttäuschter war er, als er ausgerechnet in der Hospitality-Branche sah, dass Owner und Operator in getrennten Welten leben (wollen) und damit kein gemeinsames CO2-Ziel anstreben. 


Kollaboration statt Wettbewerb sind gefordert, aber die Hospitality-Branche tut sich selbst hier noch schwer, den Mehrwert aus Materialität und Zirkularität zu sehen. Genau das will diese Diskussionsrunde beim 7. HospitalityInside Think Tank (HITT) aber aufzeigen. Das Gros der Stakeholder wisse noch viel zu wenig darüber, wie man mit der Supply Chain umgeht. 


Die Prozesse ändern 

Rohwedder Gesa

Gesa Rohwedder.Drees Sommer

Rohwedder Gesa

"Es geht um Veränderung", unterstreicht Gesa Rohwedder, Head of Hospitality Europe bei Drees & Sommer, "im Kern um die Veränderung von Prozessen, in der Planung wie im Procurement zum Beispiel". Die Bedeutung der Zulieferer, die als fragmentierte Gruppe kaum einzuschätzen ist, wird genau deshalb häufig unterschätzt. Ihr Impact auf den CO2 Footprint eines einzelnen Hotels ist aber massiv. 


Im aktuellen Fokus haben alle drei Experten aktuell Architekten und Interior Designer. Diese Gruppe besitzt einen hohen Einfluss auf die Gestaltung eines Gebäudes und/oder der Zimmer und wird damit zu einem wichtigen Wissensträger rund um die Supply Chain. Legen sie den Schalter um, werden die übrigen Stakeholder folgen. Dann hört vielleicht auch der Wahn der Marken-Hotellerie auf, standardmässig alle sieben bis zehn Jahre das FF&E zu erneuern. 


Umdenken, umsetzen

Am Ende geht es um den Wert von wiederverwertetem Material, aus dem sich ebenso schicke wie wohnliche Einrichtungen schaffen lassen (Recycling/Upcycling). Datenbanken wie die von MindClick und Madaster liefern – mit der Zeit – dazu gesicherte Nachhaltigkeitsdaten für alle Stakeholder. 


Die neue Denke muss wachsen, ebenso wie die Zirkularität im Alltag umgesetzt werden muss: Zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft gehören nicht nur Daten, sondern ganz praktische Dinge wie Recycling-Höfe, wo man Material aus Gebäuden, Teppiche oder Möbel entsorgen kann. Testfrage an Sie: Wie viele solcher professionellen Anlagen zählen Sie in Ihrem näheren Umkreis? Und schon sind Sie mittendrin in der Diskussion um die Supply Chain und den neuen Wert der Materialität. / kn 



Erleben Sie diesen Impuls live, diskutieren Sie mit!

Alle Vorträge und Diskussionen finden in englischer Sprache statt.


HITT 2024 in Amsterdam, 17-18 June


Monday, 17 June 2024, 14.30-15.45 Session 4 / Circular Economy
Adding value through lasting materiality and circularity. Make more use of our natural resources in the lifecycle of a hotel, identify new ways of design, and increase the value chain. Learn with two specialised solution providers: The Dutch register for products and material and the US-based Product Intelligence company providing data and analytics to guide hotel design and purchasing.


Impulse Generators:

  • JoAnna Abrams, Founder & Chief Excecutive Officer, MindClick 
  • Pablo van den Bosch, Director & Co-Founder, Madaster Netherlands
  • Gesa Rohwedder, Associate Partner & Head of Hospitality Europe, Drees & Sommer


Überblick: www.hitt.world
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