Editorial
Liebe Insider,
von Revo Hospitality gab es diese Woche keine neuen Nachrichten; offensichtlich sind die Verträge mit den fünf identifizierten Betreiber-Gruppen noch nicht (alle) unterschrieben.
Es gibt ja noch andere Themen, sogar positive: Zum Beispiel Privathotels, die mit ihren KPIs, ihrem Kosten-Management, Investitionsverhalten und ihren Mitarbeitern aufrecht durch die Krisen gehen. Karin Leeb und Martin Klein, die dritte Generation im Wellnesshotel Hochschober in Kärnten, sind ihr eigener Disruptor und Innovator. Seit der Betriebsübernahme vor 12 Jahren haben sie 41 Millionen Euro investiert. Das 116-Zimmer-Hotel gehört zu den Wellnesspionieren in Österreich: perfekte Lage am See, samt Seebad, Pool- und Saunen-Landschaft, ein Chinesischer Turm als exotisches Landmark, Vorreiter in vegetarisch-veganen Menüs, 130 Mitarbeiter aus 22 Ländern. Plus über 100 kostenlose (!) Inklusiv-Services und Aktivitäten nur für ihre Gäste. Vom Yoga übers Kräuterwandern und Kaltbaden bis zum Tanzkurs… Nein, es hat keinen kommerziellen "All-in"-Charakter, ganz im Gegenteil: Dieses Hotel tickt anders und rechnet anders. Es wächst über seine Werte. Und kalkuliert scharf. Mit Erfolg.
Liebe Insider,
seit den jüngsten Revo-Schlagzeilen über die Zerschlagung des Unternehmens diese Woche haben sich bei uns Eigentümer gemeldet, die dem Insolvenz-Verfahren nicht vertrauen. Wenn weitere Eigentümer oder auch (potenzielle) Betreiber dazu etwas zu berichten haben, natürlich vertraulich, dann wissen Sie, wo Sie mich finden. Jetzt warten alle auf die Namen der fünf Gruppen, die die 120 Hotels künftig betreiben möchten. Wir recherchieren derweil weiter.
Als Abwechslung bieten wir Ihnen heute Entertainment aus dem Querdenker-Haus Mews. Bei ihrem jährlichen "Unfold"-Event in Amsterdam liess die Software Company erst einen verrückten Solo-Gitarristen auf die Bühne, und dann einen Cartoonisten, der aus den 700 Zuschauern "das Kind" herauskitzelte und dessen Emotionen und Träume zeichnete. Das ebnete den Weg zur grossen "Magie" der Hotellerie, die selbst das Unkonventionelle in sich trägt, aber nicht mehr lebt. Der Rezeptionist ist der Regisseur des ersten Eindrucks, man hat ihm nur Kreativität abtrainiert. Einfach toll anzuschauen, wie hier Man & Machine zusammenfinden. Mews definiert "AI" (Artifical Intelligence) neu – als "Authentic Interaction" (AI). Sarah Douag war begeistert.
Liebe Insider,
Airbnb lebt wieder auf. Die Inder z.B. buchten im 1. Quartal dieses Jahres 50% mehr Übernachtungen als ein Jahr zuvor. Angesichts solcher Sprünge in Märkten wäre eine andere Info fast untergegangen: Die wichtigen KPIs für Hotels auf Airbnb wachsen doppelt so schnell wie das Gesamtgeschäft. Das heisst: Die Hotel-Buchungen ersetzen die schrumpfenden Kurzzeit-Vermietungen. Wie die Hotel-Strategie letztlich aussieht, weiss man noch nicht genau. Aber das: Airbnb besitzt eine technische Infrastruktur, die hilft, Hotels in Massen billig zu integrieren und die Buchungskosten niedrig zu halten. Sarah Douag über den leisen Umbau der Airbnb-Plattform und die Power seiner Daten.
Leise bewegt sich auch die Bank des Raiffeisen-Verbands Salzburg (RVS) durch die Region. Sie finanziert fast 70 Prozent der Tourismus-Unternehmen und der touristischen Infrastruktur, z.B. Seilbahnen. Der Tourismus trägt wesentlich zum Bruttoregional-Produkt bei und kreiert 40.000 Vollzeit-Arbeitsplätze. Toll: endlich eine Hausbank für die KMUs! Ja und nein: Die Bank agiert selbst als Hotelier und kann eigene Zahlen mit denen der kredit-anfragenden Privathotels vergleichen. Kein Wunder, dass die RVS in einem eigenen "Forum" die Hoteliers weiterhin zu Investitionen ermuntert. Und zwei Erfolgsstorys präsentiert: die des Brandlhof in Österreich und des Europaparks in Rust.
Liebe Insider,
es kracht momentan nur noch so in der Branche. Die Sircle Group und Revo Hospitality geraten immer tiefer in die Negativ-Schlagzeilen und ihr Fehlverhalten ist inzwischen keine Ausnahme mehr. Nein, ihr Verhalten wird zum Muster – und das nicht allein in Deutschland, sondern europaweit und international. Eigentümer bzw. Vermieter stehen vor leeren Kassen. Ihnen hilft nur noch das Gericht, was Deka Immobilien und Pandox jetzt auch nutzen. Alle wollen ihre Mietrückstände in grossen Millionen-Höhen zurück.
Der Fall Sircle mit über 30 Millionen Euro an Mietausfällen ist der bisher grösste, der am längsten andauernde und der strukturell komplexeste; ihn hat meine Kollegin Sarah Douag beobachtet. Revos Schulden sind noch nicht bekannt.
Langsam entsteht das Bild eines Weges, der mit verschachtelten Holding-Strukturen beginnt und unter denen Tochter-Gesellschaften offenbar Gebühren und andere Einnahmen über so viele Ebenen weiterleiten, dass beim Owner am Ende des Weges kein Geld mehr ankommt. Insider kennen solche "intercompany" Architekturen, deren Ziel häufig Geldwäsche ist. Die Vermieter sind damit künftig massiver denn je aufgefordert, den Betreiber und sein Verhalten zu kontrollieren. Zudem braucht das bislang "gute alte" Sale-and-Leaseback-Verfahren eine neue Definition; momentan gehört es – falsch gelebt – zu den Wurzeln des Übels. Tauchen Sie tief ein in diesen spannenden Artikel.
Liebe Insider,
die EU kam zum HITT – vertreten durch zwei Expertinnen, die die Nähe zu Tourismus, Hotellerie und KI suchen. Sie hielten keine politischen PR-Reden, sondern sprachen Klartext. Dennoch, einzelne Teilnehmer kritisierten Dr. Misa Labarile und Mihaela Lafont sehr scharf. Umgekehrt gestanden die Vertreterinnen der EU-Kommission Fehler der EU ein und zeigten nüchtern auf, was in diesem Apparat wie machbar ist. Beide forderten die Branche erneut auf, laut zu werden – nur dann werde sie gehört.
Misa sprach über die EU-Tourismus-Strategie, die seit 25 Jahren anstand und bis Ende Juli nun endlich als neuer Rahmen erscheint. Die bittere Erkenntnis: Tourismus und Hospitality sind in der Agenda der Kommission bisher GAR NICHT als strategisch wichtige Branchen angekommen! Hallo – wie kann das sein nach 25 Jahren Lobby-Arbeit der europäischen Hotel-Vereinigungen?
Aktuell öffnet sich eine – neue – Tür für die Branche weit auf: das Thema KI. Zunächst aber lieferten sich die IT-/KI-Spezialisten unter den HITT-Teilnehmern mit Mihaela einen Schlagabtausch über die Wettbewerbsunfähigkeit der EU. Mihaela vom EU AI Office zeigte aber auch neue Wege für mehr Kooperation auf: In Vorbereitung ist aktuell u.a. ein Tourism Data Space und das KI-Büro lädt die Branche ein, die nächsten Schritte mitzugestalten.
Liebe Insider,
heute plädiere ich für das Konservative. In einer Zeit, in der die Statistik der deutschen Hotellerie die meisten Insolvenzen in der Wirtschaft bescheinigt, hat es gutgetan, mit Yoram Biton von Leonardo Hotels zu sprechen. Heute einen Gewinn zu erzielen, "ist gar nicht einfach", unterstreicht er nüchtern. "Es ist harte Arbeit." Deshalb wächst Leonardo nur überlegt, Franchise kostet zu viel Geld und nur der Rent Cover zählt. Das Geschäftsmodell dieses Betreibers lautet "bleib bodenständig und diszipliniert". Yoram schaut jeden Monat mit jedem Area Manager die P&L an.
Manchem Investor fehlt eine dieser Eigenschaften. Diese Woche gab Deka Immobilien seinen neuen Betreiber für das W Amsterdam bekannt: Corendon. Das Unternehmen kommt aus der Türkei, aus dem Tourismus und betreibt jetzt erstmals ein Luxus-Lifestyle-Hotel. Allerdings ohne die Restaurants. Diese darf Liran Wizmann weiterführen. Es ist alles vertraglich geregelt, aber natürlich geheim. Der frühere Betreiber, der Deka Immobilien 23 Millionen Euro Miete schuldet, bleibt also ein Geschäftspartner? Eine intransparente Kommunikation wirft jedenfalls noch mehr Fragen auf. Meine acht Fragen (u.a. darüber, wie Deka Immobilien gegenüber seinen Anlegern sicherstellt, regelmässig die Miete zu bekommen) wurden mit vier Sätzen abgetan. Haben Anleger denn gar keine Fragen?
Liebe Insider,
Dubai steht still. Das Business-Rauschen, der Grundton der Glitzer-City, ist verhallt. Die Dubai Mall, die Autobahnen, Hotels und Pools – sehr viel ist sehr leer. Sarah Douag hat viele Fotos mitgebracht: Sie war vergangene Woche vor Ort. Sie traf sich mit CEO Henk Meyknecht von der Private Equity Firma SAH, mit Accor-CEO Duncan O'Rourke für MEA & APAC, Joachim Hafner, dem GM vom Mandarin Oriental Downtown, und dem Berater Hans Peter Betz und berichtet über das Mega-Tief der Branche, den Cashflow der Hotels, Werteverfall der Immobilien und den Umgang mit den Mitarbeitern.
Liebe Insider,
es ist schon ungewöhnlich, in den Quartalsergebnissen von Tourismus-Unternehmen zu lesen, wie viel Kerosin sich z.B. die TUI für ihr Sommergeschäft gesichert hat. Oder umgekehrt, im positiven Sinne, dass Scandic betont, nicht direkt unter der geopolitischen Lage zu leiden Auch die Ketten bleiben vorsichtig, wie Accor, Scandic, die TUI und auch die GHA in ihren Q1-Zahlen darlegen. Der Iran-Konflikt lässt alle zittern, rund um den Globus. In Deutschland melden die ersten Reiseveranstalter bzw. Reisebüros Kurzarbeit an.
In den USA hat das Fussball-WM-Drama begonnen. In Philadelphia sagte die FIFA 2.000 von 10.000 reservierten Zimmern ab. Tausende Hotelzimmer wurden an allen 16 Fussball-WM-Austragungsorten storniert. Die Buchungen bleiben hinter den Prognosen zurück, normale Fans können die Preise nicht mehr zahlen, zahlungskräftige gibt es aber auch noch nicht in Massen. Der goldene Sommer fällt aus. MAGA.
Zurück nach Deutschland, wo sich der Geschäftsreise-Markt verändert. Es sind die kleinen Verschiebungen, die zeigen, dass momentan die Kostenkontrolle Vorfahrt hat. Das heisst z.B. weniger fliegen, mehr Bahn. Oder Reisen ja, aber nicht mehr im eigenen Land, lieber zu den (günstigeren) Nachbarländern. In Österreich könnten Geschäftsreisende der Gastronomie Gutes tun: Der Druck auf diese Branche ist ebenfalls heftig, wie Zahlen zeigen.
Liebe Insider,
die Revo-Insolvenz-Abwicklung befindet sich in Phase 2, die mit den "neu eröffneten" Insolvenz-Hotels auch etwas mehr Transparenz vermittelt. Gleichzeitig beginnen die Gläubiger, ihre Forderungen anzumelden. Im Hintergrund bewegen sich potenzielle Käufer. Unklar ist noch, ob einige wenige um den Kauf des Unternehmens Revo Hospitality pitchen oder ob alles in einer Zerschlagung endet. Die beiden führenden Hotel-Insolvenzanwälte sprachen mit den Medien, wir auch noch mit anderen Insidern.
Wo sind die Beweise? Das Thema Longevity ist ebenso ein Aufreger, aber ein marketing-gemachter. In der TV-Werbung verspricht jetzt schon Zahnpasta ein längeres Leben… Meine ebenso kritische Kollegin Bärbel Schwertfeger hat einen noch kritischeren Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln interviewt. Dieser vergleicht "Longevity-geimpfte" Mäuse mit Longevity-hungrigen Menschen. Lasst die Fakten der Wissenschaft sprechen! Einiges davon wusste meine Oma auch schon. Ein Must Read für Wellnesshotels.
Neue Marken und Menschen bewegen die italienische Hotellerie. Kennen Sie schon die Pläne von Raro Resorts, den neuen Betreiber LVRH, Le Graal als Luxushotel-Partner oder die UNA als Fan von Management-Verträgen? Massimiliano Sarti kennt sie.
Liebe Insider,
Die Airlines verändern ihre Routen, die Routen verändern die Zielmärkte, im Mittleren Osten sinken die Hotel-Belegungen tief, in Griechenland stocken angeblich die Buchungen, und die Regierungen von Dubai, Zypern und Ägypten beginnen, Hotels und Touristik-Unternehmen finanziell zu unterstützen. Chaos und Anspannung rund um den Iran-Konflikt halten an.
Umso unverständlicher, vornehm ausgesprochen, ist diese kleine Notiz in unserem News Mix heute: Die Stadt Cluj-Napoca in Rumänien bereitet die erste Genehmigungsstufe für einen Trump Tower mit 250 Apartments und einem 150 Zimmer-Luxushotel vor.
Abseits der Krise geht das Business weiter, wie Susanne Stauss und ich aus vielen Gesprächen in Berlin mitnahmen. Internationale Ketten passen ihre Strategien weiter an, mal langweilig, mal lebendig. Wir haben Hyatt, Minor, Leonardo, dem Verkehrsbüro Wien, Accor, Marriott und der UBM zugehört. Jeder will jede Nische besetzen. Die Sucht nach Marken hält an, die Lust auf Franchise auch.
Die Ketten lechzen nur noch nach Individualhotels, wollen ihre Soft Brands noch geschmeidiger machen. Zu diesen hätte vielleicht noch Villa Viva gepasst – Hotels als "soziale Gasthäuser", ein perfektes, alternatives Produkt für Nischen-hungrige Investoren und Betreiber wie Stephan Gerhard. Er will aber kein Franchise.
