HI+Aktienkurs-Entwicklung der Woche 07/05/20 - 13/05/20
Veränderung zur Vorwoche in %.


Cagliari. Die Fakten sind eindeutig: Infolge einer Entscheidung der Europäischen Kommission im Jahr 2008 zwingt ein aktuelles Urteil des Zivilgerichts von Cagliari, dem Verwaltungssitz der Insel, 30 sardinische Hoteliers dazu, regionale Zuschüsse in Höhe von 35 Millionen Euro zurückzuzahlen – einschliesslich Zinsen und Bussgeldern. Eine schwere Bürde, die viele der betroffenen 3- bis 5 Sterne-Hotels mit ihren mehr als 1.500 Mitarbeitern, beinahe 9.000 Betten und laut der örtlichen Hoteliervereinigung Federalberghi Sardegna einem Gesamt-Jahresumsatz von über 60 Millionen Euro in ihrer Existenz gefährdet. Der Hintergrund ist jedoch ziemlich komplex und reichlich grotesk.
Larnaca/Paris. Seit letztem Herbst hat sich in der deutschen Hotel-Finanzierungslandschaft ein Unternehmen signifikant verändert. Bis dahin war diese Firma einfach nur privat geführt. Am 31. Oktober 2014 hat Yakir Gabay ganz im Stillen sein Hotel-Holding-Unternehmen Primecity Investment an die Pariser Börse gebracht und sich damit selbst eine starke Kapital-Basis Tor für eine blitzschnelle, Cash-getriebene Expansion geschaffen. Über Nacht standen dem Investor damit 150 Millionen Euro zur Verfügung; 100 Millionen Euro durch den Börsengang im Oktober 2014 und weitere 50 Millionen durch eine Wandelanleihe im Februar 2015. Philipp von Bodman, CEO der Primecity Investment Plc, über das neue Asset-Profil, den neuen Investment-Drive und die umfassendere Betreiber-Strategie.
Seefeld/Bad Gastein. Das 5 Sterne-Spa-Hotel For Friends in Mösern bei Seefeld, Österreich, hat eine rekordverdächtige Insolvenz hingelegt. Nicht einmal ein Jahr lag zwischen den Eröffnungen des Hotels und des Insolvenzverfahrens. Jetzt wird es geschlossen. Bei der Insolvenz des bekannten Hoteldorfs Grüner Baum in Bad Gastein haben sich Fehlentscheidungen über Jahre aufgebaut.
Davos. Das Engagement beim "Goldenen Ei" in Davos erweist sich für die InterContinental Hotels Group bisher nicht als Glücksgriff. Bei der Abwicklung des Pächter-Konkurses muss man jetzt auf Geld verzichten.
Berlin. Für die Hotellerie verändert sich langsam, aber sicher das Umfeld auf der ITB. Die weltgrösste Tourimusmesse, die letzten Sonntag in Berlin mit den Fachbesucher-Tagen zu Ende ging, registrierte erneut ein Wachstum. In der "Hotel-Halle" 9 war davon nicht immer was zu spüren. Überall zu spüren und zu sehen: Die eCommerce- und Technologie-Aussteller nehmen immer mehr zu und breiten ihre Arme wie eine Krake in immer mehr Hallen aus. Insgesamt registrierten die Aussteller, dass das Gros der Fachbesucher seine Termine verstärkt zwischen Mittwochmittag und Donnerstagabend taktete. Folglich erschien die Halle 9 am Freitag auch schwächer besucht als in den Vorjahren.
Berlin. Aktuelle Krisenherde gibt es genug, dennoch zeigte sich die Hospitality-Branche samt ihrer Investoren auf dem diesjährigen International Hotel Investment Forum in einer äusserst positiven, beinahe schon wieder "gefährlich" guten Grundstimmung. Geld fliesst, viel Geld sogar, weit über eine Milliarde Gäste reisen und es werden noch mehr… Und damit fallen viele der aktuellen Schwankungen nur wenig ins Gewicht. In puncto Hotel-Immobilien scheint Europa momentan nur aus Deutschland zu bestehen. Und selbst dort, wo es derzeit klemmt, wie etwa in Russland, geht die Branche davon aus, dass die Schwierigkeiten bald wieder überwunden sein werden. Was macht sie so super-optimistisch und was drückt wenigstens ein bisschen aufs Gemüt?
München. Geld gibt's im Überfluss! Dieser Satz ist seit letztem Jahr wieder sehr häufig zu hören, auch unter Hotel-Developern. Vor allem institutionelle Anleger stehen unter Anlagedruck: Ihre Kapital-Experten verwalten Milliardenbeträge: Allein die deutschen Versicherungen müssen jeden Tag Millionen Euro von Kundengeldern sichern, aber auch möglichst gewinnbringend anlegen. Und das ist derzeit alles andere als leicht. Denn die Mini-Zinsphase in Europa und in den USA scheint anzuhalten – genauso wie das absolut knappe Angebot von Core-Objekten im Immobilien-Markt. Um ihre Rendite-Erwartungen zu erfüllen, müssen sich Versicherungen, Pensionskassen und Staatsfonds deshalb zunehmend auf die Suche nach neuen Geschäftsfeldern und Anlage-Klassen machen. Erneuerbare Energien, Infrastruktur, aber auch Nischen-Assets wie Projekt-Entwicklungen, Wohnimmobilien und Hotels werden dabei immer interessanter. Diese bringen aber auch oft mehr Risiko ins Spiel.
München/London. Immobilien-Investor Invesco Real Estate entdeckt vorsichtig-vortastend die Hospitality-Welt. 2006 startete das Unternehmen seinen ersten Fonds für die klassische Spezial-Immobilie Hotel, im November 2014 überwältigte die Institutionellen offenbar der Mut: IRE beteiligte sich an der kleinen Gruppe Generator Hostels. Das hat die Branche aufhorchen lassen. Low Budget-Investments in der Welt der Konservativen? Die Invesco will sich aber noch weiter öffnen und auf pan-europäischem Level opportunistisch in Hotel-Nischen und Nischen-Anbieter investieren. Das sagt Marc Socker, Senior Director Fund Management Hotel bei IRE.
Frankfurt/M. Geschlossene Fonds liegen am Boden. Nur noch klägliche 81 Millionen Euro konnten sie im vergangenen Jahr bei Privatanlegern in Deutschland einsammeln. Einst waren es einmal 13 Milliarden Euro im Jahr. Nach Skandalen und überhöhten Provisionen ist die Branche derzeit dabei, sich neu zu erfinden. Staatlich reguliert wie Wertpapiere, mit geschärften Profilen und dem festen Vorsatz, sich ganz auf ihre Kern-Kompetenzen zu konzentrieren – vor allem im Immobilien-Bereich. Und so rücken auch Hotels und andere Nischenprodukte wie Serviced Apartments und studentisches Wohnen wieder in den Fokus. Ein aktuelles Stimmungsbild.
Wien. Der Euro-Mindestkurs des Schweizer Franken ist vor nun zwei Wochen, am 15. Januar, gefallen. Die ersten Auswirkungen zeigen sich auch in Österreich. Natürlich hofft man auf ansteigende Gästestrome aus der Schweiz, befürchtet gleichzeitig aber auch schon einen Anstieg der Preise in Hotellerie und Gastronomie. Viel stärker aber bewegt die Finanzexperten und Hotelies derzeit die Frage nach den höheren Kosten bei der Rückzahlung aufgenommener Franken-Kredite. Hier rächen sich Fehler aus der Vergangenheit.